Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Promotionevent für spanisches Olivenöl im Speisezimmer: The Embassy of Good Life

Es hätte so schön sein können: ein gutes Produkt, eine schöne Location, sehr gute Köche – da kann eigentlich nichts schiefgehen, sollte man meinen…

Der Verband der spanischen Olivenölproduzenten hat sich mit einer dreitägigen Veranstaltungsreihe vom 19.-21.6.2014 in Sarah Wieners Speisezimmer in der Berliner Chausseestraße präsentiert. Leider fand diese Veranstaltung fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

„Leider“ vor allem auch deswegen, weil da offensichtlich so richtig Geld in die Hand genommen wurde: eine Roadshow über 5 Kontinente soll das spanische Olivenöl aus dem italienischen Schatten helfen.

Der erste Eindruck ist ja häufig der entscheidende: da geht man voller Vorfreude den schmalen Gang zum schönen Innenhof von Sarah Wieners Speisezimmer entlang – und sieht die Plakate: „Der einzige zülassige Reisepass ist ein freundliches Lächeln“ oder: „Gastronomische Vieltfalt ist ein besonders schätzenswertes Erbe, das geachtet werden muss“ (SIC!).BildBild

Ein Witz? Ein Quiz? (was kann ich gewinnen? ) Oder nur am Übersetzer oder Lektorat gespart? Ich fürchte, letzteres trifft zu, denn bei der Veranstaltung in London wurde auf einem Plakat „Happiness“ mit einem „p“ geschrieben.

Die Begrüßungsgetränke sind dann aber ganz fein: gut gekühlter Cava mit Olivenöl (!) und Rosmarin, ein Cocktail mit Wassermelonen, Gin und  -na? – richtig: Olivenöl. Leider gab es lange nichts zu essen, ein wenig Brot mit Olivenöl und Salz wäre eine einfache schnelle Sache gewesen  – so aber musste man über eine Stunde warten, bis die ersten Tapas aus der Küche kamen –  ich hatte Hunger und war dann ein wenig angetrunken.

Bild

Erst gab es nämlich eine Begrüßungskaskade: erst gaaaanz viele spanische Worte des Vertreter des spanischen Olivenölverbandes Aceites de Oliva de España, ein Vertreter des spanischen Botschafters in Berlin begrüßte uns (seine Exzellenz der Botschafter war leider irgendwie verhindert – wäre es nicht aber auch ein bisschen übertrieben gewesen, wenn der spanische Botschafter da gewesen wäre?), die beiden Sterne-Köche Diego Guerrero und Stefan Hartmann, dazu Felicias Then, die Siegerin von diversen TV-Kochshows – und Enie van de Meiklokjes, die deutsche Botschafterin des spanischen Olivenöls (warum sie die Botschafterin von spanischem Olivenöl ist, wird wohl ewig das Geheimnis des Veranstalters bleiben).

Bild

Und dann war da noch die Moderatorin Caroline Marchot, die durch dieses Opening Event moderierte. Das war mitunter sehr holperig – meine Lieblingsszene war die, in der sie die Köche vorstellte: (…) Stefan Hartmann hat einen Stern, Diego Guerrera hat übrigens 2 Sterne (…) na – 1 Stern ist ja auch schon super (…) außerdem ist Stefan größer als Diego“.

Später begleitete sie Enie van de Meiklokjes beim Backen – während die rote Kitchenaid schnurrend den Quark (Oliven)-Ölteig rührte, die Damen über Olivenöl als Schönheitsmittel plauderten (Haare, Haut, Füße), gab es dann endlich leckere Tapas (Gazpacho, frittierte Ziegenkäsebällchen auf Aioli und Tunfisch auf Vinaigrette).

Die Törtchen aus Quarkölteig mit Beeren und Olivenöl nannte Enie van de Meiklokjes „Quark-Ölteig-Dingse“, das traf es ganz gut, sie schmeckten ein bisschen egal, und wirkten nicht so ganz durchgebacken…und ich finde es immer etwas befremdlich, wenn Köche ihre Ergebnisse super finden.

Bild

Bild

Bild

Am nächsten Vormittag – eine Masterclass mit Stefan Hartmann zum Thema Eiscreme und Dessert mit Olivenöl.

Und – große Überraschung – es sind nur 4 (VIER!) Interessenten außer mir da…und jede Menge Vertreterinnen des spanischen Olivenölverbandes, die fotografierten und twitterten (leider auch hier mit Rechtschreibfehlern) und sich ansonsten nicht sehr für das Geschehen am Herd interessierten.

Kurz gesagt: Stefan Hartmann war super, ganz Profi  – trotz der übersichtlichen Gästeschar, hat sehr kurzweilig über dieses und jenes geplaudert, während er ein Eis mit weißer Schokolade, aromatisiert mit Pernod, Kaffirlimettenblättern, Sternanis und Vanille, auf einem Karamellgitter und einer kurz angegrillten Wassermelone, die vorher in Olivenöl und Rosmarin mariniert wurde.

Bild

Das war lecker und und sah gut aus!

Bild

Das Schokoladenkaramell mit Erdbeeren war schön fudgy und creamy, optisch nicht so der Gewinn, aber gemäß des Gestaltungsleitsatzes „Form follows Funktion“ ist alles in bester Ordnung – der Geschmack war sensationell!

Bild

Die Nachmittagsveranstaltung „Fast Tapas“ mit Felicias Then und  Stefan Hartmann und die Abendveranstaltung mit Stefan Hartmann und Diego Guerrero habe ich mir nicht angesehen – wohl aber das „Spanish Family Breakfast“ mit Stefan Hartmann und Diego Guerrero am nächsten Morgen.

Auch dieses Event war übersichtlich besucht, insgesamt vielleicht 5 -6 Familien mit kleinen Kindern, auf dem Buffet ofenwarme Baguettes mit Butter, Marmelade und Honig, Rührei, Joghurt mit Obstsalat (wieso sind in diesen Obstsalaten eigentlich immer Granny Smith und ganze große Weintrauben mit Kern?), Orangensaft – und Kaffee aus der Pumpkanne (!) obwohl da eine 2 Meter breite Gaggia stand…

Bild

Bild

Stefan Hartmann bereitete zusammen mit Kindern gegrillte Graubrotscheiben mit Avocado und Tomaten zu (sehr lecker, aber das war eher was für die Eltern) und einen Erdbeershake. Für die Kinder war aufgrund der geringen Besucherzahl genug Platz zum rumrennen – alle waren entspannt – ein netter Vormittag!

Am Nachmittag noch „Play Tapas mit Cocktail“ (komischer Name – Google Translator?), es gab eine Art Bloddy Mary und einen sehr leckeren Cocktail mit Sherry, Rum, Limette und Trüffelöl. Dazu gab es kleine Tapas (Kaninchen mit gerösteten Schalotten auf Blattspinat, Ziegenkäsebällchen auf Tomate) und nette Vibes vom DJ.

Kurz: der Mixologist und der Koch und der DJ hatten Spaß, die wenigen „Trinker“ auch – das Ganze löste sich dann allerdings relativ schnell auf.

Bild

Bild

Abend gab es noch das Deutschlandspiel gegen Ghana mit Tapas (wie ich auch erste Quelle hörte, war auch hier die Versorgung durch das Flying Buffet ein wenig lückenhaft) – aber Bier und Wein gab es wohl reichlich, das Spiel war spannend – und das ist ja auch schon viel wert!

Noch was Atmosphärisches: über allem hing übrigens ein Duft, der aus den zahlreichen Duftkerzen kam (eine unschöne Mischung aus Klostein, Citronellakerze gegen Mücken und  Wunderbaum) – das ist schon als solches nicht schön, aber bei kulinarischen Veranstaltungen ein echtes No-Go. Es lief übrigens alle drei Tage dieselbe Jazz-CD in einer Art Giga-Heavy-Rotation- auf meine freundliche Anfrage, ob man eventuell eine 2. CD hätte, hieß es nur – es gäbe keine andere CD, das wäre so verordnet worden. Aha!

Fazit: es hätte so schön sein können, leider hatte diese Veranstaltungsreihe ein paar Parallelen mit der spanischen Fußballnationalmannschaft: großes Budget, große Erwartungen, so richtig ins Spiel gekommen ist man nicht, es bleibt (auch wegen der sehr geringen Gästezahl) ein enttäuschender Beigeschmack.

Schade übrigens, dass man den eigentlichen Hauptdarsteller, das spanische Olivenöl – eher in dekorativen Flaschen im Regal anwesend- wenig im Detail kennenlernen durfte! Eine kleine Degustation wäre schön gewesen, und einfach Brot mit Olivenöl und Salz auf den Tischen – oder vielleicht kleine Flaschen zum Mitnehmen, wie bei jeder guten Food-Messe üblich, um das Öl zuhause noch mal in Ruhe probieren zu können.

Aber: „a caballo regalado no le mires el diente.“: einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s