Carboloading vom Feinsten – die Streetfoodbibel „Auf die Hand“ von Stevan Paul und Daniela Haug

Auf der Suche nach einem sinnvollen Weihnachtsgeschenk? Bitte sehr: Auf die Hand von Stevan Paul.

Stevan Paul hat in diesem üppigen Kochbuch (287 Seiten) so eine Art Kompendium erstellt für Sandwiches, Bagel, Burger, Toasts und andere Dinge, die man tellerfrei essen könnte.

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Das Buch ist aufgeteilt in die Bereiche KLASSIKER (Fish’n Chips, Bagel, Crostini, Eggs Benedict ect.), BURGER, TOASTS UND SANDWICHES (ganz weit vorne: das Clubsandwich mit Estragonmayonnaise), HOT DOGS,  ABENDBROT UND IMBISS und ganz großartig: DRÜBER, DRUNTER, DARAUF DAZU (so eine Art Grundwortschatz für alles, was aus der Hand gegessen werden kann (Ketchup, Relish, Piccalilli, Mayonnaise, Teriyaki-Sauce…)

Das klingt alles noch nicht so spektakulär – Streetfood-Bücher gibt es jede Menge, aber was dieses Buch von anderen unterscheidet, sind die Einblicke in die Welt des Streetfood. Jedes Kapitel startet mit einer „Story“ über einzelne Streetfood-Themen (Einführung in die Geschichte des Streetfood, Ist der Hamburger wirklich ein Hamburger, Das Erbe des Earl of Sandwich, Hot Dogs, das „german“ Abendbrot, die Currywurst, Pommer frites) und immer eine kleine „Reportage“ also kleine Portraits,  über Streetfoodpioniere aus deutschen Städten.

Berlin ist üppig vertreten, hier hat die „Streetfoodbewegung 2.0.“ begonnen – Initialzündung war hier der Streetfood-Thursday, den Anna Lai & Tobias Bürger von Big Stuff Barbecue und Kavita Meelu von der Imbiss Republic in der Kreuzberg Markthalle Neun im Jahr 2013 ins Leben riefen. Dafür gab es von der Stadt Berlin die Auszeichnung „Gastronomischer Innovator 2013“.

Tatsächlich ist Streetfood ja so ein ganz brandneues Phänomen nicht, immer schon aßen die Menschen auf der Straße bei „fliegenden Händlern“, in Asien essen die Menschen schon seit Jahrhunderten bei den Street Hacker Food Stalls. Jeder, der schon mal in Bangkok war, kennt die abenteuerlichen Konstruktionen „Moped-an-Kühltheke-an-Gaskocher“, und man sitzt auf winzigen Plastikhockern. Also – ein alter Hut?!

Ja, aber lecker und zeitlos.

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Ich habe das eine oder andere Rezept ausprobiert, mal durften Freunde „testessen“ (die kennen das schon), aber primär musste meine Familie dran glauben und meine Kinder bekamen statt Abendbrot Eggs Benedict (da gibt es ja auch schlimmere Schicksale), oder nachmittags statt Waffeln ein French Toast.

Die Rezepte sind überwiegend leicht (auch für Kochanfänger) nachzukochen. Und: es geht schnell, man braucht keine schrillen Zutaten. Es sind sehr (!) schöne Bilder zu jedem Rezept, das Papier fühlt sich gut an – und ist abwischbar – wichtig bei mir, denn meine Kochbücher liegen meistens mitten im Geschehen.

Und hier die Hauptmessage: Eltern, kauft dieses Buch! Kocht daraus! Ihr werdet für eure Kinder Küchengötter sein! Meine beiden Kinder (2,5 und 4,5 Jahre) sind altersentsprechend noch ein bisschen wählerisch (mochten aber auch schon das eine oder andere), aber ältere Kinder werden die Rezepte lieben.

Eine richtige Kochbuchbesprechung kann man natürlich nur machen, wenn man sich wenigstens ansatzweise durch das Buch gekocht hat, Klappentexte abschreiben kann ja jeder, machen auch viele! Also – loskochen! Carboloading!

Das French Toast kam schon mal gut an bei der jungen Zielgruppe: Toastscheiben in einer Creme fraiche/Apfelsaftmischung baden, in Butter braten, ordentlich Zimt und Zucker dazu, vielleicht noch die eine oder andere Weintraube…

Korrespondierendes Getränk: die Herrschaften wählten einen warmen Kakao.

Zubereitungszeit alles in allem knapp 5 Minuten. Top! Comfort Food vom Feinsten!

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Das Gurkensandwich ist ja ebenfalls ein Klassiker, gibt’s beim High Tea auf der Etagère, gerne in der Kombination mit Scones, Erdbeermarmelade und Clotted Cream.

Auch hier war die Zielgruppe wohlwollend, ich habe die Variante ohne Avocado gemacht, also Gurke pur – ist jetzt nicht so aufregend, aber ergreifend schlicht und lecker. Zubereitungszeit: keine 10 min.

Korrespondierendes Getränk: Wasser ohne Kohlensäure.

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Lecker zum Frühstück – und auch wirklich schnell gemacht – die English muffins – sozusagen Brötchen aus der Pfanne – fast so großartig wie die englischen Crumpets (die noch etwas „knietschiger“ sind) oder die Toasties, die man zum Aufbacken in den Toaster steckt. Abgesehen von der Zeit, die der Teig zum gehen braucht (2 x 15 min.) – ein blitzschnelles leckeres Frühstück, durch die Polenta ein bisschen kernig, geht mit süßem oder salzigem Belag.

Meine jungen Gäste wählten Butter und Erdbeermarmelade und Vollmilchschokostreusel von De Ruijter  – wichtig ist hier, dass der Muffin noch warm ist, die Butter schmilzt dann und die Schokostreusel gleich mit (dann fallen sie auch beim abbeißen nicht gleich wieder runter  – der Klassiker bei Schokostreuseln, ist aber eher ein Problem der Eltern…).

Korrespondierendes Getränk: eine warme Milch.

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Eine kleine Herausforderung waren die Eggs Benedict. Eier zu pochieren ist jetzt kein Hexenwerk, aber man muss sich ein bisschen konzentrieren – aber die Mühe lohnt sich!

Sehr schön ist die Formulierung im Rezept, man möge das leicht siedende Wasser mit dem Schneebesen zu einem kleinen Strudel rühren, dann das Ei auffangen – eine Schaumkelle hat sich hier bewährt, und das stockende Eiweiß um das Ei hüllen.

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Das ist nix für hungrige und ungeduldige Gäste, zumal man immer nur ein Ei auf einmal pochieren kann – mit mehreren Töpfen und Strudeln gleichzeitig zu arbeiten, versuche ich dann beim nächsten Mal.

Mir ist die Hollandaise auf dem heißen Ei sofort geschmolzen – war aber trotzdem lecker. Zusammen mit der Sauce Hollandaise und dem Kochschinken ein wirklich feines Abendbrot. Die Zielgruppe hat es immerhin probiert und dann das Ei alleine mit Schinkenstücken gegessen. Immerhin. Dazu gab es eine Apfelsaftschorle.

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Wenn ich jetzt mein Highlight nenne – das legendäre Club Sandwich, dann wird sich der eine oder andere wundern, dass ich so was Simples bei all den großartigen Rezepten auswähle, aber der special Twist bei diesem Clubsandwich ist die Estragonmayonnaise. Gerne wird zum Clubsandwich nämlich diese fiese Cocktailsauce gereicht – auch im Café Einstein in Berlin – aber mit dieser Mayonnaise wird dieser Klassiker geadelt.

Das Sandwich ist mit Hähnchenbrustfilet, Tomaten, Zwiebeln, Käse und Bacon elegant natürlich nicht zu essen – man kann versuchen, die Konstruktion mit Holzstäbchen zu fixieren. Aber das Ergebnis ist super! Die Zielgruppe aß das Hähnchenfleisch solo und trank dazu das gute alte Berliner Leitungswasser.

Zum Schluss noch was Originelles – geht auch prima für Kindergeburtstage, aber auch für klassische Buffets, oder auf dem Sofa – der Corn Dog. Es handelt sich hier um frittierten Teig um mini Wiener Würstchen (einfach die Würstchen auf einen Holzspieß piken, in die Maisgrieß-Mehl-Ei-Milchmischung tauchen, in heißem Öl frittieren).

Das Ergebnis sind kleine knusprige Snacks, die um Längen besser sind, als die langweiligen bröseligen „Würstchen im Schlafrock“ (Wiener im Blätterteig), die es häufig auf Kindergeburtstagen gibt. Für die Großen gibt es eine Avocadosalsa dazu, die ich noch mit einer Handvoll frischem Koriander und ein paar Chiliflocken aufgerüstet habe.

Die Testesser fanden es ganz lecker, zumal der Teig durch ein bisschen Zucker leicht süsslich ist – und aßen die Corn Dogs mit dem feinen Ketchup aus dem DRÜBER, DRUNTER, DARAUF DAZU-Kapitel.

Dazu gab es Weihnachtslimonade (Sternanis, Anis, Zimt, Muskatnuss in Zuckersirup aufkochen Cranberrysaft dazu, mit Mineralwasser auffüllen).

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Schönen Dank an Herrn Paul und Frau Haug, vor Weihnachten noch so ein Highcarb-Kochbuch auf den Markt zu werfen!

Aber ganz ehrlich: auf ein Kohlenhydrat mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an! Vielen Dank auch an mamalicious aus dem Schanzenviertel in Hamburg für diese zauberhafte Schaufensterdeko (so könnte der Buchtitel übrigens auch aussehen):

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FAZIT: KAUFEN! FREUNDE EINLADEN (AUCH DEREN KINDER)! KOCHEN!

Auf die Hand von Stevan Paul und Daniela Haug (Fotos), Christian Brandstätter
Verlag, €34,90 (und jeden Cent wert)

Und hier das Rezept für einen gelungenen Abend:

1. Diverse Dinge aus dem „Auf die Hand“-Kochbuch zubereiten

2. DVD „Chef“ von Jon Favreau einlegen

3. Film gucken, essen und sehr zufrieden sein.

Den Film „Chef“, der im Mai 2015 in die deutschen Kinos kommt, aber in den USA schon in diesem Sommer in den Kinos gezeigt wurde, sollte man nämlich auf keinen Fall mit Hunger gucken!

Es geht um einen Koch (Jon Favreau), der in einem klassischen Restaurant arbeitet, eine Affaire mit der Sommeliere (Scarlett Johannsson) hat,  dessen Chef (Dustin Hoffmann) aber keine Küchenexperimente wünscht. Er wird von einem Restaurantkritiker niedergeschrieben (Oliver Platt), darauf hin kündigt er, fährt mit seinem kleine Sohn nach Miami und eröffnet einen Foodtruck mit Cuban Sandwiches, finanziert vom Exmann (Robert Downey Jr.) seiner Exfrau. Sein elfjähriger Sohn postet die Standorte des Trucks auf Twitter und die Leute stehen Schlange.

Soweit die Story. Keineswegs spektakulär. Aber ein schöner Film über Familie, Freunde und Essen.

Man möchte danach sofort einen alten Foodtruck kaufen und loslegen (aber das ist ja in Deutschland eher kompliziert, anders als in den USA darf man sich hier nicht einfach irgendwo an die Straße stellen, sondern darf nur auf privatem Gelände stehen). Bunsmobile aus Berlin, z.B.  teilt seine Standorte via Facebook und Twitter mit.

Der Soundtrack ist übrigens auch lohnend: eine schöne Mischung aus Latin Jazz, Blues und New Orleans Jazz – und ist eine großartige Musik zum Kochen.

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