FEC goes NOB – die Konferenz vom Food Entrepreneurs Club auf der Next Organic 2015

Fand die Next Organic Berlin in den letzten beiden Jahren als reine Biomesse statt, wurde sie in diesem Jahr um eine kleine Konferenz mit 3 Panels ergänzt, das Ganze organisiert vom Food Entrepreneurs Club.

Eine Zusammenfassung meiner kulinarischen Entdeckungen gibt es HIER.

Zielgruppe für die Konferenz waren angehende oder bereits aktive Unternehmer aus dem Foodbusiness.

Begleitend zur Konferenz gab es noch eine sogenannte „Ping Pong Area“, in der man Blitzcoachings von Experten aus 6 Bereichen (Lebensmitteltechnik, Marketing, Packaging Design, Recht, Personal und Crowdfounding) bekommen konnte, dazu musste man sich im Vorfeld anmelden.

Fec schild

Den Titel der Konferenz finde ich ein bisschen sperrig und schwergängig – und er spiegelt meiner Meinung nach nicht unbedingt die Einstellung der Podiumsteilnehmer wieder:

Fec motto

Runde 1: „Gefalle allen, gefällst du keinem – klare Positionierung als Voraussetzung für den Erfolg“.

Die Teilnehmer auf dem Podium waren: Lea Brumsack von den CULINARY MISFITS, Barbara Kappel von BARBARA’S KÜCHE und Hans Möller von DE ÖKO MELKBUREN.

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Lea Brumsack  („krummes Gemüse braucht Wertschätzung“) ist eine der beiden Gründerinnen der Culinary Misfits, sie erklärte die ursprüngliche Idee ihres Unternehmens und warum sich da jetzt einiges geändert hat.

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Die beiden Gründerinnen haben sich den „verbogenem“ Gemüse gewidmet, das mangels Normgröße und falscher Optik nicht in den Verkauf kommt – und weggeworfen wird. Sie führen Events zwischen Design und Esskultur durch, und hatten bis vor kurzem noch ein Café ganz in der Nähe der Markthalle IX, in dem sie frische und sehr leckere vegetarische Gerichte aus sich umarmenden Möhren, krummen Gurken und verbeulten Tomaten herstellen – nach dem Motto: „Esst die ganze Ernte“.

Die Idee mit dem täglich geöffneten Café hat sich als keine wirtschaftlich tragbare erwiesen und das Café wurde am 24. April in diesem Jahr geschlossen. Aber es wird weiterhin kulinarische Events, Pop-ups rund um das Thema Esskultur und Gemüse jenseits der EU-Norm geben  – man darf gespannt sein.  Wichtig sei ihr und ihrer Kollegin Tanja Krakowski, eine Vision zu haben und vor allem zu 100% hinter dem zu stehen, was sie machen.

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Die Schwäbin Barbara Kappel hat in der Elternzeit angefangen in ihrer Küche Trüffel zu produzieren und sie dann auf dem Friedenauer Wochenmarkt zu verkaufen. Später kamen Maultaschen dazu, dann Quiches, Salate und Spätzle. Inzwischen verkauft sie mit ihrem Team über 50 Speisen auf 4 Märkten in Berlin. Sie bezieht ihre Zutaten aus der Region um Berlin. Die Maultaschen werden z.B. mit dem Fleisch der Highlandrinder von einem Biohof in der Schorfheide gefüllt und Barbara Kappel ist es wichtig, gute Zutaten zu verwenden. Das ist das Versprechen, das sie ihren Kunden gibt.

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Hans Möller ist Landwirt mit einem Hof in der Nähe von Hamburg. Von dem niedrigen Milchpreis „kann keiner leben“, so Hans Möller (pro Liter Biomilch erhält der  Landwirt momentan 47,2 Cent). So kam man auf die Idee, mit zwei weiteren Landwirten die „De Öko Melkburen“ zu gründen. Die drei Landwirte aus der Nähe von Hamburg vermarkten und vertreiben ihre Biomilch seit einiger Zeit selber. Sie wird unter der Bezeichnung 4 Jahreszeitenmilch vermarktet und schmeckt so, wie die Kühe sie produzieren, nicht wie die „Industriemilch“ der Molkereien. Möller bietet „eine gutes Produkt zu einem angemessenen Preis“ (ein Liter Milch kostet € 1,49). Mithilfe der Agentur Mutter aus Hamburg wurde die „Jahreszeitenmilch“ inkl. Verpackungsdesign entwickelt.

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Es wird keine Werbung gemacht, man setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda, es gibt kleine Flyer mit den Infos über die Milch und die sollen einfach in den Biomärkten abgegeben werden – das scheint zu funktionieren. Die leckere Milch gibt es leider bisher nur im Raum Hamburg.

„Immer „eine Vision“ zu haben, war uns ist Hans Möllers Motivation.

Und: es handele sich selbstverständlich um Doppelnutzungsrinder und „die Hörner lassen wir natürlich auch dran“.

In der Schlussrunde sagte Barbara Kappel, dass ihr am meisten geholfen hat, „Ordnung ins Tun zu bringen“, es war anfangs nicht die beste Idee, alles selber zu machen (zu kochen und sich außerdem um die Finanzen und Behördengänge zu kümmern).

Lea Brumsack empfahl Gründern aufs Herz zu hören, sich einen ergänzenden Partner zu suchen – und auf keinen Fall zu viele Tipps von anderen einzuholen.

Hans Möllers Tipp war, sich auf jeden Fall zu vernetzen und Rückrat zu zeigen.

Er erinnerte sich an seine Erfahrungen bei der Verkostung seiner Milch bei den Bioläden –  die Einkäufer bemängelten, dass die Milch aufrahmte – und seine Antwort war: „Da sind Budderstücke drin. Das ist Milch. Das macht die Milch“.

Das war nett, aber irgendwie auch eine Kuschelrunde – die Moderatorin und Gründerin des FEC, Stefanie Rothenhöfer, präsentierte mehr, als dass sie hinterfragte. Alle stellten ihre Unternehmen vor, aber irgendwie blieb alles ein wenig unspannend – was sicherlich auch an der sehr homogenen Zusammensetzung der Runde lag. Entsprechend gab es auch keine Fragen aus dem Publikum.

Runde 2: „Welches Versprechen muss ich halten, wenn ich Nachhaltigkeit verkaufe?“

Ich hatte gerade einen kalorienreichen Presserundgang hinter mir (EIS!, Cheesecake!, Smoothies ohne Ende!, Pestos!. Brot!), und habe es gerade so geschafft pünktlich zu kommen, ausgerüstet mit einer frischen Kokosnuss von Dr. Georg und einem Soya Latte von Soypresso (mit Sojamilch aus Österreich).

Teilnehmer des Panels waren Saskia Ludwig vom Bioschorlen-Hersteller Von Hand zu Hand, Christian Baier von der Bio Company, Christian Eggert vom Lieferservice Bonativo und Jörg Reuter von grüneköpfe strategieberatung und Vom Einfachen das Gute und Alfredo Sironi von der Bäckerei Sironi aus der Markthalle IX.

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Moderiert wurde diese Runde souverän, professionell und humorvoll von Dr. Katherina Reuter von Unternehmensgrün.

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Saskia Ludwig stellte ihr Unternehmen vor, das vor 4 Jahren gegründet wurde: Von „Hand zu Hand“ produziert Bioschorlen und spendet vom Erlös Projekte in der Region. Das Obst kommt von Obstbauern aus dem Alten Land: „Wir sind wie Fußballfans, die einen Verein gut finden, wir sind Fan einer Region und lassen unsere Äpfel nicht einfliegen“.

Jörg Reuter kennt die (Bio)-Branche von beiden Seiten: einerseits ist er Geschäftsführer einer GreenProfit Strategieberatung (und berät auch die „bösen Großen“: Rewe, Edeka, Völkel etc.) und Inhaber eines kleinen und feinen Lebensmittelgeschäftes in der Berliner Invalidenstraße.

Zu jedem Produkt gibt es in seinem Geschäft eine Geschichte, seine Kunden hätten sich inzwischen daran gewöhnt, dass es immer einen langen Vortrag zur Wurst oder zum Käse gäbe: „Ich sage meinen Mitarbeitern: ihr verschenkt das Produkt und verkauft die Geschichte“.

Facebook sei für sein Lebensmittelgeschäft enorm wichtig, man habe deutlich mehr Follower als die Bio Company, was allerdings nicht ganz stimmt – „Vom Einfachen das Gute“ hat knapp 2000 Follower, die BioCompany hat 2600 (ich habe allerdings auch erst eine Woche nach der Konferenz die Zahlen verglichen, vielleicht hat die Bio Company ja diese Schmach nicht auf sich nicht sitzen lassen und in einer Woche ordentlich Follower aktiviert).

Allerdings ist es verwirrend, denn es gibt eine FB-Seite der Bio Company GmbH und dann weitere Seiten von diversen Filialen, hier könnte der Social Media Manager mal ein bisschen aufräumen. Und es gibt eine automatisch von Facebook generierte Seite mit 300 Followern – komplett ohne Inhalt – und die finden erstaunlicherweise auch 300 Menschen gut.

Jörg Reuter beschreibt seine Facebook-Follower folgendermaßen :“Ich knipse morgens eine Stulle und die Leute ticken total aus“. Tatsächlich pflegt man einen sehr persönlichen Umgang mit den Followern – am 4. Mai wurde zum Beispiel gepostet, dass jemand eine „Mango“-Tüte im Laden vergessen habe und der Besitzer sich bitte melden solle und den gestoppten Inhalt melden solle“. DAS ist guter Umgang mit den Kunden und eine sinnvolle Nutzung der Facebookseite.

Christian Baier (von ihm habe ich tatsächlich kein Foto gemacht, möglicherweise, weil er in der Diskussion irgendwie blass blieb) von der Bio Company  beschrieb die BioCompany als einen der Pioniere der Biosupermärkte (gründet 1999) und ist auch einer der Marktführer (33 Märkte in Berlin und Brandenburg). Er betonte, dass man sich ständig hinterfrage und „Bio und Nachhaltigkeit auch aktiv umsetze“ (es gibt z.B. keine Heizungen in den Märkten, sondern es wird die warme Abluft der Kühlgeräte genutzt).

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Christian Eggert von „Bonativo“ betonte die besondere Frischegarantie seines Lieferdienstes, erst bei der Bestellung des Kunden, erfolgt die Bestellung beim Lieferanten, so werden Lagerkosten vermieden (gut fürs Unternehmen) und die Frische der Ware garantiert (gut für den Kunden). Die Produkte kommen möglichst aus der Region und haben so kurze Lieferzeiten wie nötig.

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Alfredo Sironi erzählte kurz die Geschichte seines Unternehmens (vom elterlichen Restaurant am Comer See, zur kleinen Bäckerei in der Markthalle IX, vom Sauerteig mit langer Teigführung, hervorragenden Zutaten und einer überschaubaren Menge an Produkten).

Die gläserne Bäckerei in der Markthalle wird zu klein, und er guckt nach größeren Räumen, aber er könne sich nie vorstellen, in einem anonymen Industriegebiet seine Brote zu backen und „seine Mitarbeiter dort in die Pause zu schicken, wo sie auf eine Wüste gucken“.

Außerdem gehört für ihn zu einer guten Unternehmenskultur eine gute Bezahlung (er habe noch nie einen Mitarbeiter verloren, weil die Gehälter zu niedrig seien). Für Sironi ist Facebook nicht ganz so wichtig, da er nur eine übersichtliche Anzahl von Produkten habe „ich kann nicht ständig Brote zeigen, die aus dem Ofen kommen“ und auch nicht ständig Neuheiten vorstellt.

Es kam ein bisschen Leben in die Runde, als Frau Dr. Reuter ein paar Fragen an  Christian Eggert stellte – er war irgendwie der „Böse“ neben der Bio Company (Bonativo hat die Samwer-Brüder und Tengelmann als Geldgeber  – das warf naturgemäß Fragen auf).

Gibt es doch im Angebot von Bonativo Wurst mit Glutamat und kein Bild und keine Info von den Schweinen, die das Fleisch für die Wurst liefert. Christian Eggert parierte die Fragen souverän (sie wurden ihm wahrscheinlich schon ziemlich häufig gestellt), die berühmten Geldgeber würden es ermöglichen, dass das Unternehmen nach nur fünf Monaten entspannt arbeiten könne und auch bereits liefern könne und was das Schwein betreffe, wurden alle Betriebe besucht und für gut befunden.

Saskia Ludwig schickte eine Beschwerde in Richtung der Bio Company und damit auch an alle Bio-Supermärkte, dass man gerne neue Produkte aufnehmen würde, dann aber später sehr ähnliche Produkte als Eigenmarke produzieren würde. Leider wurde da die Diskussion abgebrochen, das könne man dann ja in kleinerer Runde klären…schade, gerade wurde es spannend.

Die Zusammenfassung des Themas lautete daher (Überraschung!): man solle, wenn man 1. Wahl verspreche, auch 1. Wahl anbieten und sich zertifizieren lassen, Nachhaltigkeit müsse beim Kernprodukt anfangen und kontrollierter Anbau sei Grundvorraussetzung.

Das dritte Panel zum Thema: „What’s next – Wachstumsmöglichkeiten für (Street-) Foodunternehmen“ habe ich zu Gunsten eines ausführlichen Messerundganges ausgelassen.

Fazit:

Primär lernte man die Beweggründe der Podiumsteilnehmer kennen, sich mit einem Foodbusiness selbstständig zu machen. Da gab es zum Teil ganz interessante Einblicke und Perspektiven.

Das zweite Panel gewann deutlich durch die heterogene Mischung der Teilnehmer, das habe ich bei der ersten Runde vermisst.

Noch ein paar Worte zur Organisation und zur Kommunikation im Vorfeld: bei Gesprächen mit Bloggerkollegen und Zuhörern der Diskussionsrunde stellte sich heraus, dass eine gewisse Irritation über die Kosten der Konferenz vorherrschte.

Es gab einen „Early Bird“ Preis in Höhe von € 69 (danach sollte die Konferenz inkl. Eintritt und Ping Pong Arena € 89 kosten), die Frist wurde dann kurzfristig noch ein paar Tage nach hinten verschoben (da gab es wohl nicht genug frühe Vögel). Und am 5. Mai – also 3 Tage vor der Veranstaltung –  gab es dann plötzlich die Möglichkeit, die Panels einzeln zu buchen (€ 15 pro Panel).

Viele Blogger mit denen ich sprach, wussten nicht, dass Einzelbuchungen möglich waren und habe sich daher gar nicht angemeldet, weil ihnen das ganze Programm nicht interessant genug war. Andere wiederum hätten gerne einzelne Panels gebucht, mussten aber das ganze Paket nehmen. Es hat irgendwie ein bisschen ein „Gschmäckle“ gehabt.

Der Claim des FEC lautet übrigens : „Do the right thing and make profit“.

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2 Gedanken zu “FEC goes NOB – die Konferenz vom Food Entrepreneurs Club auf der Next Organic 2015

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