K-Pop in P-Berg: Restaurantbesuch im JoLee Soul Food

 

UPDATE: leider hat das JoLee Soul Food seit dem 7.9. aus diversen Gründen geschlossen!!!

ABK (Another Bloody Korean)? Könnte man meinen. Koreaner sind die neuen Vietnamesen, was die Anzahl der eröffneten Restaurant betrifft.Neueröffnungen von asiatischen Restaurants in Berlin sind häufig von seltsam asiatischer Mix-Fusionküche geprägt: ein bisschen Sushi, ein paar bánh mì (vietnamesische Baguettes), ein paar Varianten von der Pho und ein paar Curry-Gerichte. Wieso eigentlich? Entweder esse ich Thai oder Vietnamesisch oder Koreanisch. Oder nicht?

Zur Perfektion hat das Fusion-Prinzip der vietnamesische Gastronom The Duc Ngo gebracht: Kuchi, Kuchi II (Sushi) Shiro o Shiro (geschlossen), 2x Cocolo (Ramen), Madame Ngo (französisch-vietnamesisch) und das neueste Restaurant 893 in der Kantstraße: eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Welten, ein bisschen französisch dazwischen (wie im Madame Ngo) ist da nur konsequent – aber da hat es ja tatsächlich historische Gründe.

Die Koreaner der Stadt hingegen konzentrieren sich im Wesentlichen auf Kimchi, Bulgogi und Bibimbab.

Aber da ist Licht am Horizont: das JoLee Soul Food.

„Asiatische Restaurants in Deutschland sind kulinarisch eingeknickt.“ sagt Johanna Jester, die Inhaberin vom Jolee. Ich sitze mit ihr bei einem Ginsengtee (sie hätte dem Kaffee abgeschworen, Ginseng mache auch wach) am frühen Nachmittag in ihrem Restaurant JoLee Soul Food. Und weiter: „Es ist keine landestypische Küche mehr, alles verwässert und an den deutschen Gaumen angepasst.“

Drei Jahre Serviceleitung in der Longmarch Kanteen in Kreuzberg, davor viel Erfahrung in der Gastronomie (auch ein Ausflug in die finnische Hotellerie war dabei), die Kinder erwachsen – gute Voraussetzungen, um ihre Erfahrungen in einem eigenen Restaurant umzusetzen.

Die Idee: eine klare Linie haben, Küche mit Ecken und Kanten, ein bisschen ungewöhnlich, aber die koreanischen kulinarischen Wurzeln nicht vergessen. Mit ihrem Küchenchef Felix Metzger (Gründer der Berlin Cuisine und Weltreisender: 8 Monate Work and Travel durch Asien) unternahm sie eine kulinarische Tour de Force nach Korea und aß alles, was es zu essen gab. Alles. Viel. Jeden Tag. Eine Woche lang.

Dann ging alles ganz schnell:

Location gesucht – in der Nähe von Mitte sollte es sein (die Zielgruppe arbeitet dort in Agenturen und Start-ups), ein durchmischter Kiez (Stammkunden aus dem Kiez sind immer gut), Karte entwickelt, eröffnet. So einfach geht das!

Und? Bitte sehr:

Die Einrichtung:

Wände in British Racing Green, Holztische ohne Tischdecken, schönes schlichtes Geschirr, goldenes Besteck von Mepra. Auf der Toilette: leises Vogelgezwitscher.

Bemerkenswert: die gute Beleuchtung. Eine Lampe über jedem (!) Tisch  – damit hebt sich das Jolee schon mal ganz grundsätzlich von den vielen Restaurants ab, in denen man die Speisekarte nur mit Hilfe der Taschenlampe vom Smartphone lesen kann.

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Der Tisch
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Die Bar

Die Flaschen hinter der Bar sind nach Farben sortiert. Schön.

 

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Das Publikum: eher 40plus als 40minus und Foodies und Blogger (die sind auch gerne mal jünger).

Das Konzept:

Moderne koreanische Küche.

Ein bisschen ungewöhnlich ist die Idee, die Speisen aller Gäste auf EINEM Teller anzurichten.

Gemeinsam essen. Ein gemeinsames Erlebnis haben. In Korea üblich, in Deutschland eher nicht. Von einem Teller essen: das sorgt ab und an für Irritationen, wenn die eher kleinen Portionen (in manchen Restaurantkritiken ist von Oktopuspralinen die Rede) auf EINEM Teller serviert werden, und die anderen sich fragen, wann denn ihr Essen kommt.

Das wird zwar alles von der sensationellen Servicekraft erklärt (überhaupt der Service: lässig, kompetent, immer aufmerksam, er wusste alles und hat geduldig alle meine Fragen zum Essen und zum Wein erklärt) – aber dann muss man sich dann ja für die Gerichte entscheiden (und das ist nicht einfach!). Wenn das Essen kommt, hat man die Erklärungen möglicherweise wieder vergessen.

Überhaupt: das Essen!

Hier unser Line-up (Menü „Gangnam-Style“ plus ein bisschen à la Carte):

KIMCHI | KLASSISCH
Drei Monate gereift mit scharfer Quitte und schwarzem Sesam

Das war scharf. Sehr scharf. Aber gut! Ich hatte ja einen guten Wein zum Löschen: einen 2013er Riesling von Loersch aus der Eifel, Fels-Terassen, feinherb. Er konnte es gut mit der koreanischen Schärfe und Süße aufnehmen. Überhaupt sind ja Rieslinge die besten Freunde der asiatischen Küche.

KIMCHI TEMPURA | RINDERFETT
Gebackener Kimchi, Kimchicreme und knuspriges Rinderfett

Spannende Kombination, ein bisschen scharf. Toll!

GIMBAP | MAKI INSIDE OUT

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GIMBAP | MAKI INSIDE OUT

Pimientos del Padron, grüner Reis und Furikaki. Das schwächste Gericht, aber interessant.

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MAKRELE ANANAS I KNOBLAUCH

Geräucherte Makrele, gegrillte Ananas, krosse Kartoffel und Creme von fermentiertem Knoblauch.

Tolle Texturen: gegrillt, geräuchert, frittiert. Mon Dieu!

RIND | SCHWARZE BOHNE | ZUCKERRÜBE

Geschmortes Rind mit Creme von fermentierten, schwarzen Bohnen und Rübenjus.Butterzartes Fleisch. Die fermentierten Bohnen: toll, wenn man Bohnen mag.

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SAGOL I ALGE I HASELNUSS

Gegrillter Schweinebauch und geräucherte Noricreme, mit Haselnussöl emulgierter Sagol.

Einer meiner Favoriten. Aromatisch. Optimale Balance. Schade, dass die Portion nicht größer war.

Jetzt war ich mit meiner charmanten Begleitung trotz der kleinen Portionen schon gut gesättigt – und wir fragten uns, wie viel Gänge wohl noch kommen…Es kam noch was:

KRÄUTERSEITLINGE | LAKRITZ | PINIE
Konfierte Kräuterseitlinge mit Lakritzvinaigrette und gebrannten Pinienkernen.

Eine mutige Kombination. Lakritz mag ja nicht jeder. Aber die Pilze mit den Pinienkerne und der Lakritze: das war gut! Sehr gut!

And finally…

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Knuspriger Oktopus mit Gochujang Sauce Rouille und Koriandergremolata. Die Koriandergremolata made my Day! Eine sensationelle Kombination. No more Words.

Eigentlich ging nix mehr. Aber Dessert geht bei mir immer (dafür verzichte ich auch gerne auf einen Gang):

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Warmer Schokoladenkuchen mit süßer Bohnencreme und Eis.

Was man nicht machen sollte (wir aber beim ersten Bissen gemacht haben): alle Komponenten einzeln probieren. Was man dann auf jeden Fall machen sollte:  Kuchen und Bohnencreme und Eis zusammen! Dann gibt es eine Aromenexplosion im Mund. Vom Feinsten! Cremig, kühl, samtig.

Einziger Wermutstropfen: zum Dessert hätten wir gerne einen Espresso getrunken – gibt es nicht- stattdessen es kam eine French Press (wie charmant), leider braucht die ja ein bisschen, da war das Dessert schon zu 2/3 aufgegessen.

Schön wäre auch eine Getränkebegleitung ohne Alkohol (z.B. Lapsang Souchong zur Makrele, Quittensaft zum Kimchi, ein Gunpowder zur Krake, Ananassaft zur Makrele oder besagten Ginsengtee zum Kimchi…).

Angenehm ist im übrigen, dass die Tische in der Regel einmal pro Abend besetzt werden. Johanna sagte, ihre Idee sei es, mit Champagner (gute Auswahl: Buhl, Bollinger, Pol Roger) den Abend beginnen und mit gutem Wein ausklingen lassen, ohne die Sorge zu haben, rausgeschmissen zu werden.

Ich glaube, wir waren die letzten Gäste!

Fazit:

Das JoLee ist was für mutige Freunde der koreanischen Küche und entspannten Zuständen im Portemonnaie.

Unbedingt empfehlenswert!

 

JoLee Soul Food
Tel. 030 555 22 356
reservierung@jolee-cuisine.com

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag 18.00-24.00 Uhr
Montag und Dienstag: Ruhetage

Menüs:
Gangnam-Style: 7-Gänge: € 49,00
Big in Korea: 11-Gänge: € 89,00
Veggie Seoul: 7 Gänge: € 49,00
A la Carte von 9,00-27,00 €

Weine:
Weiß: überwiegend Rieslinge – ab € 28,00/Flasche
Rot: Spätburgunder, Pinot Noir, Merlot ab € 32,00 / Flasche

 

 

 

 

 

 

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